Die mittelständische Fertigungsindustrie in Deutschland, Österreich und der Schweiz verbesserten ihre Prozessqualität in den meisten Unternehmensbereichen. Damit steigt der Business Performance Index, mit dem das Analystenhaus techconsult seit 2011 die Prozess-Performance in mittelständischen Unternehmen misst, zum ersten Mal seit 2012 wieder leicht auf 62,1 Indexpunkte von möglichen 100 an. Auch im Bereich Industrie 4.0 machten die Fertiger deutlich Boden gut. Leider koppelt sich das immer stärker wettbewerbsdifferenzierende Thema Service in Sachen Performance vom positiven Trend in den anderen Bereichen ab, so die Kasseler Marktforscher.  „Der BPI ist zwar nur leicht angestiegen, aber dieser Zuwachs stellt eine Trendwende dar. Von 2012 bis 2015 ist dieser Maßstab für Prozessqualität kontinuierlich gefallen“, erklärte Peter Burghardt, Managing Director von techconsult. Den jetzigen Anstieg führen die Analysten vor allem auf Prozessverbesserungen in den Bereichen Produktentwicklung, Qualitätsmanagement, Finanzen, Marketing und IT zurück. Der Bereich Service setze jedoch die 2013 begonnene Abwärtsbewegung fort. „Die diskreten Fertiger stufen Service als gewinnbringenden Unternehmensbereich weder als hochrelevant ein, noch bemühen sie sich um eine hohe Umsetzungsqualität“, meint Burghardt. „Das Wort von der Service-Wüste Deutschland ist zwar übertrieben, aber im Fertigungssektor trifft es wohl stärker zu als in anderen Branchen.“ Gerade im Zeitalter der Digitalisierung, in dem der Service als Unternehmenssparte immer stärker in den Fokus rücke, sei mangelnde Prozessqualität in diesem Bereich kein ermutigendes Signal, betonte Burghardt. „Wenn man schon in analogen Services nicht gut ist, wie soll man es dann mit digitalen Dienstleistungen besser machen?“ fragt Burghardt leicht provozierend. Neben dem Business Performance Index für die Prozessperformance fragt techconsult auch nach dem IT-Unterstützungsgrad, dem Reifegrad innovativer IT-Lösungen sowie nach dem Reifegrad von Industrie 4.0. Während die beiden IT-Indikatoren mit 1,9 Prozent (IT-Unterstützungsgrad und 2,5 Prozent (Reifegrad innovativer IT Lösungen) moderat anstiegen, legte der Indikator für Industrie 4.0 mit 6,5 Prozent auf 58,3 Indexpunkte zu. Unter Industrie 4.0 ermittelt techconsult, ob und wie intensiv sich die Unternehmen mit Echtzeit-Vernetzung/-Integration von Maschinen, Softwarelösungen sowie Menschen beschäftigen und welches Potenzial sie in diesem Thema sehen. Offenbar arbeiten die Unternehmen daran, dieses Potenzial zu heben. So geben in der aktuellen BPI-Studie 23 Prozent der Teilnehmer an, die IT-seitige Vernetzung von Anlagen und Systemen bereits umgesetzt zu haben. In 3 bis 5 Jahren wollen weitere 37 Prozent diesen Schritt bewältigen, der es ihnen zum Beispiel erlauben würde, ihre Systeme und Anlagen in Echtzeit zu steuern und die Produktion zu verteilen. „Dieser Bereich hat sich im vergangenen Jahr enorm entwickelt. Das Thema ist endgültig in den Unternehmen angekommen und seine Dringlichkeit erkannt“, erklärt der für die Studie verantwortliche techconsult-Analyst Henrik Groß. Der BPI weist neben den verschiedenen Indikatoren auch Handlungsfelder und Herausforderungen aus. Die Handlungsfelder ergeben sich aus der Analyse der Prozessrelevanz und der Qualität der Prozessumsetzung. Der Handlungsdruck sei umso höher, je größer die Diskrepanz zwischen der Wichtigkeit eines Prozesses und seiner Umsetzungsqualität ist. techconsult sieht in einigen Subbranchen der Fertigungsindustrie Handlungsbedarf in Teilprozessen der Produktion, Service sowie in Produktentwicklung, IT-Organisation und Personalwesen. In der Studie „Handlungsfeldanalyse Fertigung 2016“ geht techconsult intensiv auf die identifizierten Handlungsfelder ein. Die größten Herausforderungen sehen die Teilnehmer der aktuellen BPI-Studie in erster Linie im Kostendruck, dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit sowie den Gefahren der Globalisierung (siehe Grafik). Das Thema Digitalisierung ist bereits auf den 6. Rang unter den 20 größten Herausforderungen aufgestiegen. „Noch vor 3 Jahren waren die Begriffe Industrie 4.0 und Digitalisierung sehr vielen mittelständischen Unternehmen unbekannt. Dass die Themen heute als starke Herausforderung begriffen werden, spricht für die pragmatische Einstellung der mittelständischen Industrie“, sagte Peter Burghardt. Für diesen 6. BPI wertete das Kasseler Marktforschungs- und Analystenhaus techconsult die Angaben von 700 Unternehmen aus. Befragt wurden Geschäftsführer sowie Entscheidungsträger aus verschiedenen Unternehmensbereichen, zum Beispiel aus Marketing, IT oder Produktentwicklung.